Wunderwaffe Bodengrund

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06.02.2011, 12:32:51

unbekannt

Hallo zusammen,

bin in Aquaristik nicht ganz unerfahren, aber mancher Kelch ist offenbar ganz an mir vorüber gegeangen. So der zu heutigen Spezial-Bodengründen.

Hab selbst noch keine Erfahrungen mit Spezialböden, außer Manado. All diesen Böden scheint die Idee zugrunde zu liegen, das "Ernährungsthema" für Pflanzen quasi in einem Zug zu lösen. An den altbekannten Erfahrungen, daß die Einfahrphase etwa 4-6 Wochen dauert, ändert es aber offenbar nicht viel.

Wenn ich das, was überall über solche Böden etc. geschrieben wird, lese, kommen mir einfach immer wieder Zweifel an derartigen Investitionen, kämpft man doch trotzdem mit ähnlichen Problemen.

Vielleicht bin ich zu skeptisch gegenüber solchen Dingen (mit Manado hatte ich anfangs auch meine Not), aber ich muß mir wirklich die Frage nach dem Nutzen stellen. Stehe noch vor diesem Schritt, daher habe ich noch die Chance, Entscheidungen zu ändern.

Wenn ich gebrannten Ton sinnvoller Körnung mit gutem Laterit, granuliertem Lehm und etwas Torfgranulat mische, ihn als unterste Schicht einbringe, darauf dann schweren, nicht scharfkantigen Kies sinnvoller Körnung in benötigter Schichtdicke für wurzelnde Pflanzen, den Filter und Bodengrund mit einer Bakterienkultur impfe, muß ich sicher auch die 4-6 Wochen durchleben, aber was fehlt mir dann gegenüber den HighTech-Böden (nenne sie mal so)?

Tragt es mir nicht nach, aber irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, das hierbei geschäftstüchtige Leute die Idee hatten, Klärschlamm, andere "Abfallprodukte" der Natur vielleicht, zu nutzen, um mit wenig Aufwand schnell viel Geld zu machen. Das ganze noch in silberne Beutel mit (bin jetzt etwas ketzerisch) viel Hokus-Pokus drum herum (wohlklingende Beschreibung, dem Käufer das Gefühl gebend, etwas Besonderes erstanden zu haben und anderen voraus zu sein) und fertig ist das magische Produkt, für das man gern viel Geld ausgibt. Geht dann etwas schief, war's der dusselige Käufer, der wieder mal nicht verstanden hat, wie das damit geht...

Lieg' ich da so falsch?

LG,
Joachim
06.02.2011, 14:10:57

ecipower

Hallo Joachim,

da hast Du ja was angestoßen. Das ist ja ein Thema was man unendlich diskutieren kann. Wie jedes Hobby ist auch die Aquaristik ein "Markt". Und Märkte sind in der Regel hart umkämpft und ein riesiger Marketing Apparat bestimmt hier Angebot und Nachfrage. Und viele Teilnehmer am Markt können sich mehr oder weniger, diesem entziehen. Hier in unserer Gemeinschaft gibt es, und dazu zähle ich mich auch, Anhänger der Hightech Aquaristik (in der Regel auch hochpreisig) aber auch genau so viele die mit recht wenigen Euros genau so erfolgreich, wenn nicht manchmal sogar erfolgreicher ihr Hobby betreiben. Also muss jeder für sich hier abwägen in wieweit er sich hier auf solche Böden einlässt. Meistens gehören zu solchen Böden auch entsprechende Dünger die aufeinander abgestimmt sind.
06.02.2011, 15:01:40

JanZastrow

Hi,

ds ist wirklich eine brisante Sache. Ich komm ja nun mehr oder weniger vom Fach, naja zumindest studiere ich Geologie.

Doch es wäre wirklich mal zu testen, ob nicht ein "selbstgemachter" Boden in einem kleinen Testbecken ähnliche Vorzüge hat wie ADA, Knott & Co.

Ich bin drauf und dran mir mal was zu mischen. Paar Tonminerale, Torf/Schwarzerden, Zeolithe, etc. und dann mal schauen wie sich sowas entwickelt.

06.02.2011, 15:20:15

Tutti

Hallo,

eigentlich hat Engelbert schon alles gesagt was gesagt werden muss,dafür schonmal vielen Dank.

..und bevor du nicht einen dieser "Hightech" Bodengründe ausprobiert hast,kannst du dir kein Urteil darüber bilden,außer du vertraust auf die Meinung anderer.

Zitat:
All diesen Böden scheint die Idee zugrunde zu liegen, das "Ernährungsthema" für Pflanzen quasi in einem Zug zu lösen. An den altbekannten Erfahrungen, daß die Einfahrphase etwa 4-6 Wochen dauert, ändert es aber offenbar nicht viel.


Mit Powersand unter dem Soil kann es bedingt auch "erstmal" ohne Flüssigdünger funktionieren,es muss aber bei Zeiten zusätzlich gedüngt werden.
Das ADA Aqua Soil erhebt auch nicht den Anspruch das die Einlaufphase in irgend einer Form wegfällt,ganz im Gegenteil,das einfahren gestaltet sich wegen sehr hoher Ammonium Konzentrationen die an Wasser abgegeben werden fast schwieriger.
Das Soil senkt aber z.B. die Wasserhärte und den Ph Wert für optimale Wachstumsverhältnisse und schafft ein leicht saures Bodenmilieu,was den Pflanzen sehr zugute kommt.
Von ganz allein läuft mit Soil auch nichts,aber mit Soil "verzeiht" ein Becken viel mehr Düngeschludrigkeiten-
Ich habe auch vor der Soil Ära super Pflanzenwuchs gehabt,aber mit Soil ist der Wuchs um einiges besser,das sind meine Erfahrungen und darum verwende ich Soils.

Zitat:
Wenn ich gebrannten Ton sinnvoller Körnung mit gutem Laterit, granuliertem Lehm und etwas Torfgranulat mische, ihn als unterste Schicht einbringe, darauf dann schweren, nicht scharfkantigen Kies sinnvoller Körnung in benötigter Schichtdicke für wurzelnde Pflanzen, den Filter und Bodengrund mit einer Bakterienkultur impfe, muß ich sicher auch die 4-6 Wochen durchleben, aber was fehlt mir dann gegenüber den HighTech-Böden (nenne sie mal so)?

Es kann bei dir damit auch besser wachsen wie im Soil,Niemand hat behauptet das dir da was fehlt.
Niemand zwingt dich die neuen Bodengründe zu kaufen,wer auf diesen Hype kein Bock hat der braucht den Weg ja auch nicht mitzugehen,es ist aber immer wieder komisch das alles "neue" erstmal verteufelt wird und von Abzocke und Co die Rede ist.

Grüße Tutti
06.02.2011, 17:44:11

unbekannt

Hallo zusammen,

vielen Dank für Eure Antworten.

Möchte wirklich nichts verteufeln, schlecht machen oder ähnliches. Sage ja nicht, daß wer auch immer, SEIN Produkt als Allheilmittel deklariert. Das ginge von Rechts wegen auch nicht lange gut. Ist mir auch klar, daß es jedem frei steht, zu machen, was man selbst für richtig hält - stimmt, selbstverständlich.

Mir fällt einfach auf, daß es viel Werbung und Fokus auf diese Dinge, aber wenig sachliche Auseinandersetzung darüber gibt, zu der ich letztlich die Offenlegung allen Inhalts, von Pro und Contra etc. zähle. Mir fällt auch auf, daß innert vergleichsweise kurzer Zeit ein Hype entstand, der zumindest für mich einen gewissen Stallgeruch nicht leugnen kann.

Deswegen bin ich dankbar, daß Menschen wie Jan bereit sind, sich der Sache z.B. mal mit einem Versuch anzunehmen. Finde das hilfreich und richtig gut. Möchte selbst gerne mitmachen (wär auch seltsam, wenn nicht) und es mit einem selbst gemischten Boden im großen neuen Becken versuchen. Das Nano werde ich, sobald möglich, gegen ein etwa 100L fassendes Becken tauschen, nur dauert das noch. Darin will ich dann mal eines der Soils versuchen oder ich hatte mit dem Selbstmix soviel Erfolg, daß ich dann das Nano zum Versuchobjekt mache (wäre von der Materialmenge und damit den Kosten her überschaubarer).

Glaubt mir, es geht mir nicht um Verteufelung, auch wenn es für den einen oder anderen danach klingen mag und mir ist schon klar, daß das ein "heißes Eisen" ist. Fände es einfach gut, es einmal anzupacken und etwas Licht ins Dunkel zu bringen. Kann ja jeder selbst entscheiden, mitzumachen oder nicht. Ich würde mich über jeden Beitrag dazu freuen, der aus meiner Sicht ruhig auch mal etwas emotional sein darf, solange es im Rahmen bleibt. Natürlich wären mir sachliche Aussagen am liebsten, aber ich muß es dann wohl nehmen, wie es kommt. Meine Idee ist letztlich eine Art Katalog aller Soils, anderer Nährböden etc. zu erstellen (mach' ich dann gerne, wenn Daten vorliegen) und hier im Forum allen verfügbar zu halten. Könnte man ja vielleicht auch als Sammlung von Erfahrungsberichten erstellen - bin für Anregungen offen.

Die Aquaristik ist ein tolles Hobby, denn sie verbindet sehr viele Facetten miteinander. Und ich lese hier immer wieder, daß dieses Forum von vielen als ein angenehmes empfunden wird, daß jedem Raum läßt und allen nützt. Es ist wirklich diese Idee, die mich dabei führt. Es stimmt allerdings, daß ich Neuem gegenüber, solange es dabei auch um Geld geht, gern skeptisch begegne. Das soll aber nicht heißen, daß ich nicht bereit wäre, mich dem mehr zu öffnen. Hatte gehofft, es hiermit zu signalisieren.

Laßt es uns doch mal versuchen, Ich hab' nur den Anstoß gegeben, das Spiel können wir, wenn wir es wollen, nur zusammen machen - und gewinnen.

LG,
Joachim
06.02.2011, 17:45:51

robat1

Hallo,

noch eine Meinung ohne eigene Erfahrung. :mislay:
Ich glaube übrigens nicht, daß hier Sondermüll über eine geniale Geschäftsidee gewinnbringend abgesetzt wird. :lol:
(Soll ja angeblich bei den Molkeprodukten in der Milchwirtschaft so gewesen sein.) :wink2:

Zitat:
Von ganz allein läuft mit Soil auch nichts,aber mit Soil "verzeiht" ein Becken viel mehr Düngeschludrigkeiten-

Ich hab aber über die Jahre als stiller Bodengrundmitleser eher den Eindruck gewonnen, daß ein aufgetretenes Algen- oder PH-KH-Problem, aus welchen Fehlern oder unabwendbaren Sondersituationen auch immer, mit einem Nährboden im Becken deutlich schwerer wieder in den Griff zu bekommen ist als ohne diese Böden!?!?

Es ist nicht auch so, daß der deutlich größere Teil der Wasser-Pflanzen (u. vermutlich davon alle schnellwachsenden) die gewünschten Nährstoffe viel leichter/lieber über die 1000x größere Oberfläche der Blätter aus dem Wasser entnimmt?
Daraus schließe ich, daß es auch stark auf die Art der Bepflanzung, bzw. Pflanzenwahl ankommt, ob die Investition in einen Nährboden Sinn macht.


So oder so, hat sich bei mir über die Zeit und die kleinen u. großen Probleme, in mehrerer Foren der Eindruck ausgeprägt, daß Nährböden nur für Leute geeignet sind, welche "echte Starklichtbecken" mit dem entsprechend extremen Bewuchs, Düngeaufwand und einer konsequenten Wasserwerteüberwachung geeignet sind.

Als außenstehender Betrachter zum Thema Nährböden, komm ich auf folgenden Schluß.
Für Leute wie mich, die eher einen dichten Schwachlicht-Dschungel anstreben, als einen wettkampftauglichen botanischen Garten, und dabei auch noch einen erheblichen Teil der Aufmerksamkeit den Fischen in diesen Becken widmen, für den bergen Nährböden viel mehr Gefahren und Probleme als Vorteile.

Wie gesagt, alles nur gesammelte Eindrücke eines außenstehenden Sandbodenaquarianers. Aber das muß ja nicht falsch sein, oft sieht man aus einem gewissen Abstand zu einer Sache die Dinge sogar klarer als wenn man mitten drin steckt. :rolleyes:

Robert
06.02.2011, 17:46:55

unbekannt

Hallo Jan,

wenn Du Interesse daran hättest, vielleicht kannst Du uns bei Gelegenheit mal etwas über die geologische Seite dazu näher bringen. Mich würde das total interessieren.

LG,
Joachim
06.02.2011, 18:02:52

Der_Lurchi

Hallo,
ein Nährboden wird sicherlich seine Vorteile bringen, da es in der Logik der Sache liegt das Pflanzen nunmal Wurzeln haben die ja nicht "nur" zum verankern dienen, sondern halt auch um Nährstoffe aufnehmen zu können. Ohne solche Böden selbst ausprobiert zu haben, vermute ich daher schlicht mal das man damit den Pflanzenwuchs wohl schlicht auch "optimieren" kann.

Auf der anderen Seite ist es aber auch so,
selbst wenn man nur (nährstoffarmen) Kies nimmt, beeinträchtigt das die meisten Pflanzen aber nicht wirklich so sonderlich da sie halt (von einigen Wurzelzehrern abgesehen) zum Gro die Nährstoffe nunmal halt primär über die Wassersäule aufnehmen bzw. sich darauf einstellen können.

Was die Einfahrzeit angeht,
keine Ahnung - bei mir war der Nitritpeak idr. immer nach 10Tagen vorbei und das ohne irgendwelche "Booster, Aufbereiter, Starterbakterien" oder was auch immer es da so alles gibt.
grüße olaf

06.02.2011, 18:07:41

Kessi

Hallo Joachim,

wie du ja vielleicht mitbekommen hast, fahre ich grad ein neues Becken mit einem Soil von der Firma ELOS ein. Ich dokumentiere die Wasserwerte nahezu täglich und erlebe etwas ganz anderes als beim Einfahren mit Deponit und Kies wie ich es in meinem 20l Nano habe. Die Karbonathärte sinkt rapide ab und das seit 3 Wochen, dafür steigt der Nitritwert ins Unermessliche.Heute ist er zum ersten Mal ein ganz klein wenig gesunken. Wasser hab ich gewechselt wie verrückt, am Anfang täglich.

Ich habe etwa 5 Liter des Elos Bodengrund aus der Neueinrichtung übrig und ich würde ihn dir gerne überlassen, wenn du damit dann in deinem neuen Nano einen Versuch starten möchtest. Allerdings stand auf der Verpackung man müsse den Bodengrund innerhalb von 24 Std. aufbrauchen und daher habe ich ihn unter Wasser in einer Gartentonne zwischengelagert. Meld dich bei mir wenn du Interesse hast und wenn dein Vorhaben startet. Bis dahin kann ich dir vielleicht auch Näheres sagen.


Liebe Grüsse,
Kerstin
06.02.2011, 18:12:37

Kessi

Und noch was,

ist nächste Woche nicht diese Messe in FN?
Ich habe schon überlegt hinzufahren, sofern mein Sohn nicht wieder das ganze WE auf Fussballturnieren sein muss.
Dann könnte man sich ja irgendwo am Bodensee oder auf der Messe treffen.
Zum Erfahrungsaustausch um um sich mal gesehen zu haben.

Viele Grüsse,

Kerstin
 
 
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